8 Gründe, warum positive Psychologie in der Pandemiezeit helfen kann. Grund #7: Vertrauen

Ob Vertrauen in uns selbst oder in anderen Menschen: Vertrauen ist für uns fundamental, wenn wir ein glückliches Leben führen wollen. Dieses Konzept begleitet uns seit unserem ersten Tag auf dieser Welt und bleibt ein wichtiger Bestandteil unserer Persönlichkeit bis zu unserem letzten Atemzug.

In den letzten Wochen wurde unser Vertrauen sehr stark auf die Probe gestellt. In einer ausserordentlichen Situation, in der wir alle mit vielen Unsicherheiten und Ungewissheiten zu kämpfen hatten, gab es verschiedene Menschen, die uns dabei halfen, diese Situation zu verstehen und zu meistern.

Wir hatten somit die Wahl, entweder diesen (zum Teil völlig fremden) Experten zu vertrauen oder ihnen zu misstrauen.

Bei jedem von uns spielte dabei die Erwartung an die jeweilige Person eine grosse Rolle. Nehmen wir mal das Beispiel eines Immunologen, der sich über mögliche Massnahmen im Kampf gegen das Virus äussert.

  • Wenn ich erwarte, dass diese Person ihre Aufgaben gemacht hat, nach bestem Wissen und Gewissen ihre Ratschläge gibt und in meinem, unserem Interesse handelt, dann ist es wahrscheinlich, dass ich ihr vertraue.

  • Wenn ich aber beispielsweise schlechte Erfahrungen mit Ärzten und Wissenschaftlern gemacht habe, dann ist meine Erwartung die, dass auch diese Person vielleicht nicht genau weiss, was sie macht, nur in ihren Interessen handelt und sich gar nicht um die Patienten kümmert. Ich werde ihr also nicht vertrauen.


Woher kommt mein Vertrauen?

Für die Entwicklungspsychologie ist die frühkindliche Mutter-Kind-Beziehung die Grundlage für die Herausbildung von Ur-Vertrauen. Ur-Vertrauen ist die Grundlage einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung, die für die gesamte Lebensspanne bedeutsam bleibt, und massgebend ist für jede Form von Vertrauen in unserem Leben.

Kinder entwickeln ein starkes Ur-Vertrauen, wenn sie z. B.

  • eine gesunde Bindung zu den Bezugspersonen haben

  • positive Erfahrungen gemacht haben

  • in ihrer Individualität bestärkt wurden

  • Hilfe erhalten haben, als sie sie gebraucht haben

  • ehrliche Eltern haben

  • nicht ständig enttäuscht worden sind.

Natürlich kann aber diese Entwicklung auch «schiefgehen» und anstatt Ur-Vertrauen, bildet sich ein Ur-Misstrauen. Dies geschieht, wenn das Kind:

  • keine gute Bindung aufbauen konnte

  • keine Hilfe erhalten hat, als es sie benötigte

  • ohne Grund beschimpft wurde

  • in schwierigen Situationen allein gelassen wurde

  • zu viel kritisiert worden ist oder es nicht selber das Vertrauen der Eltern erhalten hat

  • keine eigenen Erfahrungen machen konnte und somit kein Selbstvertrauen aufbauen konnte.


Dieses mangelnde Ur-Vertrauen oder eben die Entwicklung eines Ur-Misstrauens ist eine der Ursachen für neurotische Persönlichkeiten.

Was ist Vertrauen?

Bei Erwachsenen wird Vertrauen durch die soziale Einstellung, die aus einer kognitiven Komponente (dem Wissen über die Vertrauenswürdigkeit einer Person oder einer Institution), einer emotionalen Bewertung (z. B. dem Gefühl von Sicherheit) und einer Verhaltensabsicht (z. B. dem Anvertrauen persönlicher Dinge) zusammengesetzt ist, definiert.

Die erwachsene Person muss also fähig sein, den anderen richtig einzuschätzen, ein entsprechendes Gefühl zu erleben und eine Absicht zu äussern.

Vertrauen braucht bekanntlich auch Zeit. Man sagt oft: «Diese Person muss mein Vertrauen zuerst gewinnen». Das zeigt, dass wir nicht selten besorgt sind und sogar Angst haben, möglicherweise enttäuscht zu werden. Wir müssen ein Risiko eingehen. Man muss sich nicht vor seiner eigenen Verletzlichkeit schämen. Es ist aber nicht immer so einfach...

Vertrauen ist eine Stärke

Wenn wir vertrauen können, gelingt es uns einfacher, neue und unbekannte Situationen zu meistern. Gerade während einer Pandemie, wie wir sie jetzt erleben, ist es zentral, dass wir uns nicht hinter psychischen Mauern verstecken und allen gegenüber misstrauisch werden.

Wenn wir in der Lage sind, anderen zu vertrauen – seien es Wissenschaftler, Regierungsbeamte, Ärzte, oder auch nur die Nachbarin, die für uns einkaufen geht – werden unsere Sicherheits- und Kontrollbedürfnisse befriedigt und wir erleben meistens positive Emotionen. Dieses Vertrauen erhöht die Interaktionsqualität (was zurzeit so wertvoll ist) und trägt zum persönlichen Wohlbefinden bei.

Das heisst natürlich nicht, dass wir blind vertrauen sollen. Was wir machen müssten, ist mehr eine allgemeine positive Neigung zum Vertrauen aufzubauen und von Fall zu Fall zu entscheiden, wie viel Vertrauen in die jeweilige Situation fliessen sollte.

Wir können also nur gewinnen, wenn wir vertrauen. Aber was, wenn wir ständig in einer Misstrauens-Modalität sind, wo wir uns immer wieder verteidigen müssen, weil wir negative Erfahrungen gemacht haben und nicht mehr verletzt werden wollen?

Die selbsterfüllende Prophezeiung

Wie oft haben wir von anderen gehört: «Mach was Gutes, dann kommt das Gute wieder zurück». Einige nennen es Karma, andere erklären das mit der Psychologie.

Es geht um unsere Erwartungshaltung.

Wenn wir zum Beispiel erwarten, dass uns unser Gegenüber verletzt, ist es sehr wahrscheinlich, dass er es auch tun wird.

Umgekehrt ist es aber auch so, dass wenn wir guten Mutes sind und erwarten, dass die Interaktion mit unserem Gegenüber vertrauensvoll und positiv verläuft, so wird es sehr wahrscheinlich auch der Fall sein.

Dieses Phänomen, die selbsterfüllende Prophezeiung, ist in der Psychologie gründlich erforscht. Mehrfach wurde bewiesen, dass, wenn man Vertrauen schenkt, einem selbst auch Vertrauen entgegengebracht wird.

Reden wir uns also ein, dass alle Menschen uns irgendeinmal verletzen werden, dass eine globale Pandemie von bösen Menschen ausgelöst wurde, dass alle gegen uns sind und dass uns sowieso nur schlechtes widerfährt, wenn wir anderen vertrauen, dann kann nur eins geschehen: Wir werden fest daran glauben und überall Beweise für unsere verzerrte Wahrnehmung finden.

Uns wird es schlecht gehen. Wir werden traurig und verletzt sein.

Das alles ist nicht das Resultat einer übermenschlichen Macht, kein Wille eines Gottes, der uns bestrafen möchte: Es ist alles nur in unserem Gehirn.

Das heisst aber auch, nur wir können es ändern.

Vertrauen ist eine sehr mächtige Waffe gegen Selbstsabotage. Versuche vertrauensvoller durch das Leben zu gehen und Du wirst sehen, wie viele andere guten Menschen es da draussen gibt.

Wirst Du trotzdem verletzt? Dann verzeihe und gehe weiter. Wenn Du traurig sein möchtest, dann für die Person, die Dich verletzt hat, denn sie wusste oder konnte es nicht besser.

Ist Vertrauen für Dich ein Thema, das Du besser verstehen möchtest? Kontaktiere mich und lass uns darüber sprechen: info@sa-life.com oder +41 76 497 75 52.

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