8 Gründe, warum positive Psychologie in der Pandemiezeit helfen kann. Grund #5: Spiritualität

Vielleicht bist Du überrascht zu erfahren, dass sich die positive Psychologie auch mit Themen wie Religion und Spiritualität befasst. Ganz zu Beginn meiner Karriere war ich es zumindest. Ich denke der Grund dafür war dazumal, dass ich noch nicht genau verstanden hatte, was überhaupt Religion und Spiritualität bedeuteten.

Mittlerweile gehören diese Konzepte für mich einfach dazu, unabhängig vom Glauben, von der Herkunft und von der Kultur jeder Person. Alle können mit diesen Konzepten arbeiten und deswegen möchte ich nun mit Dir einige Erkenntnisse teilen und hoffe, dass dieses Wissen Dir während dieser Zeit helfen kann.



Religion und Spiritualität

Zuerst müssen wir ein bisschen Definitionsarbeit leisten, denn die Begriffe Religion und Spiritualität haben zwar viele Überlappungen, sind aber aus psychologischer Sicht keineswegs Synonyme.

Für die positive Psychologie besteht die Funktion der Religion darin, eine Lebensbedeutung oder Weltanschauung zu konstruieren. Wir, meistens gemeinsam mit unserer religiösen Gemeinschaft, geben dem, was uns widerfährt eine Bedeutung. Anhand dessen und dem, was die Generationen vor uns an Informationen weitergegeben haben, bilden wir uns eine Welt mit gewissen Strategien, mit denen das Schicksalhafte und Zufällige der menschlichen Existenz überwunden werden kann.


Je mehr Unwägbarkeiten der eigenen Umwelt und besonders der eigenen Person bekannt seien und kontrollierbar erscheinen, desto grössere Lebenssicherheit (also Vertrauen in die eigenen und sozialen Ressourcen) kann entstehen.

Die Religion ist also ein Anker, der uns Sicherheit und Vertrauen schenkt. Tatsächlich steht der Anker in einigen Religionen symbolisch für den Glauben.

Die Spiritualität ist ein individuelleres Konzept, das nur bedingt mit einer Gemeinschaft oder einer Kultur im Zusammenhang steht. Spiritualität stärkt das Vertrauen in sich selbst und in das Leben. Man gewinnt dadurch die Fähigkeit, sich selbst und seine Umgebung genau und wachsam anzuschauen, damit man die eigene Realität so wahrnimmt und annimmt, so wie sie ist. Anders als bei der Religion, wo man sich eine eigene Weltanschauung konstruiert, wird in der Spiritualität nichts schöngeredet und man versucht nicht, dem Schicksal auszuweichen. Man lässt sich hingegen liebevoll auf das ein, was gerade im Vordergrund steht.


Durch die Spiritualität können wir lernen, unsere Grenzen zu akzeptieren und uns mit ihnen zu arrangieren. Wir lernen, mit dem was wir haben, zufrieden zu sein. Wir können eigene Schwächen und Fehler annehmen. Durch die Spiritualität brauchen wir unsere Narben nicht zu verstecken, sondern wir lernen, zu ihnen zu stehen.

All diese Fähigkeiten, die wir durch Spiritualität erlangen können, machen uns menschlicher, echter und beziehungsfähiger.

Sowohl die Religion als auch die Spiritualität sind also wichtige Lebensbegleiter. Es spielt dabei keine Rolle, welche Religion oder welche Form der Spiritualität betrachtet wird, solange natürlich Fanatismus und Extremismus keinen Platz darin finden.

Warum sollten alle Religion oder Spiritualität in Betracht ziehen?

In verschiedenen Studien zur Religiosität und/oder Spiritualität hat man herausgefunden, dass beide Ressourcen die Widerstandsfähigkeit gegenüber Erkrankungen erklären. Warum? Weil Leute, die religiös/spirituell sind, ein tief verankertes Vertrauen darauf haben, dass

  • die Ereignisse im Leben vorhersehbar und/oder erklärbar sind,

  • sich jegliche Lebensprobleme im Prinzip handhaben lassen und

  • die Welt es Wert ist, sich in ihr und für sie zu engagieren.

Gerade in dieser Zeit kann es also durchaus von Vorteil sein, unser Vertrauen in das Leben zu stärken.

Religiösen Menschen wird es leichter fallen, diese Zeit zu überstehen. Meistens sind sie mit der eigenen Religion und der Gemeinschaft stark verbunden und praktizieren Gebete, Meditationen, Rituale, die sie mental und seelisch stärken.

Ebenso sind spirituelle Menschen meistens diejenigen, die mit der Situation am besten umgehen können, weil sie sie akzeptieren und annehmen. Sie kämpfen nicht dagegen an, sondern lassen sich auf die Situation ein und machen das Beste daraus.


Ich bin aber nicht so...


Einige von uns würden sich weder besonders religiös noch tief spirituell bezeichnen. Gehörst Du dazu?

Kein Grund zur Sorge. Hier ein paar Beispiele, wie Du Religiosität und/oder Spiritualität in den Alltag integrieren kannst, auch wenn Du weder religiös noch spirituell bist:


  • Gib etwas zurück. Sei es durch Spenden oder durch freiwillige Arbeit. Die Verbundenheit mit anderen Menschen, die hierbei entsteht, ist ausschlaggebend. Die amerikanische Sozialwissenschaftlerin Brené Brown hat es ganz schön formuliert: «Spiritualität bedeutet zu erkennen und zu feiern, dass wir alle untrennbar miteinander verbunden sind durch eine Macht, die grösser ist als wir alle... [Dies] bringt ein Gefühl von Perspektive, Sinn und Zweck in unser Leben.»

  • Schaffe Dir einen Rückzugsort, einen «heiligen» Raum. Es kann eine Ecke in der Küche sein, Dein Nachttisch, ein Regal im Schlafzimmer. Gestalte es mit Dingen, die Dir guttun, die Dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern, die Dir Wärme und Geborgenheit vermitteln. Versuche dann immer, wenn Du kannst, an diesem Ort ein paar Minuten zu verweilen und diese Dinge bewusst und mit Dankbarkeit auf Dich wirken zu lassen.

  • Spüre die Kraft, die in Deinem Körper fliesst. Yoga eignet sich wunderbar dazu. Dich mit Deiner inneren Kraft zu verbinden hilft Dir dabei, Dich selbst besser kennenzulernen und somit mehr Vertrauen in Dich und das Leben zu erlangen.

  • Lache. So einfach es tönt, Lachen ist manchmal die beste Medizin – und auch eine Art und Weise, wie wir mit unserem tiefen Selbst und mit unserer inneren Kraft in Verbindung treten.

  • Sei kreativ. Schreiben, Basteln, Malen oder Musizieren helfen Dir dabei, loszulassen und im hier und jetzt zu leben. Diese Tätigkeiten lassen uns ebenfalls eine Art «schöpferische Kraft» spüren, die uns stärkt und zeigt, dass wir Neues erschaffen können und dass unserer Kreativität keine Grenzen gesetzt sind.

  • Geh in die Natur und spüre ihre Kraft. Hast Du schon mal vom Waldbaden gehört? In den Wald zu gehen hat unglaubliche Vorteile für unseren Körper und unserer Seele. Im Einklang mit der Natur zu sein ist eine der spirituellsten Praktiken überhaupt.

Wie Du siehst, ist es nicht allzu kompliziert.

Versuche es mal und schaue, wie sich das auf Dein Leben auswirkt. Du wirst überrascht sein...

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